Carajo! Wie geht’s jetzt weiter? Elizabeth Ladrón de Guevara

Ich bin Elizabeth Ladrón de Guevara, Tanzpädagogin, Tänzerin und Choreografin und arbeite in der freien Tanzszene Hamburg. Dank DIS-TANZ-SOLO habe ich die Möglichkeit, meine pädagogische und künstlerische Interesse zu vertiefen. „Carajo, wie geht’s jetzt weiter?“ ist ein Projekt, das darauf ausgerichtet ist, ein hybrides Konzept zwischen den digitalen Medien und dem „Face-to-Face“ Format in der Tanzvermittlung aufzubauen. Das Projekt erschien in einem Kontext und einer Zeit, in denen die Covid-19-Pandemie in unserem Alltag immer präsenter wurde. Ich wurde vom Bedürfnis inspiriert, meine Kurse, Workshops und zeitgenössische Tanzprojekte neu oder anders zu gestalten. Wie kann ich meiner pädagogischen und künstlerischen Arbeit in Zeit der Pandemie Kontinuität verleihen? Wie kann ich mit meinen Schüler*innen in Kontakt bleiben? Was ist mit der Digitalisierung für mich möglich? Welche Möglichkeiten bietet das Live-Streaming im Tanz? Wie kann ich eine Verbindung zum Publikum und zu meiner Kunst aufrechterhalten? Das Projekt “Carajo, wie geht’s jetzt weiter?” wurde ins Leben gerufen, um Antworten auf diese Fragen zu finden.

Foto: Ann Christin Baßin

Unter den aktuellen Umständen hat das Medium der Digitalisierung eine andere Bedeutung gewonnen. Mein erster Kontakt mit digitalen, live gestreamten Kursen bat erst mal eine Möglichkeit, wieder zu unterrichten. Ich entdeckte jedoch auch schnell, dass in dieser Praxis Begegnungen anders als gewohnt stattfanden. Als ich die Bewegung der Teilnehmer*innen beobachtete, waren zum Beispiel der Rhythmus und die Musik asynchron. Außerdem ist es so, dass in einer Live-Stream-Situation, jede*r Teilnehmer*in in ihrem/seinen eigenen Raum anwesend ist. Welchen Raum haben die Teilnehmer*innen in ihrem Haus oder ihrer Wohnung zur Verfügung? Ist es das Schlafzimmer oder die Küche? Die Live-Stream-Situation bringt eine andere Form von Wahrnehmung mit sich, von sich selbst als Tänzer*in, dem Raum und auch für die Lehrerin, die sich auf der anderen Seite befindet. Es habe positiv beobachtet, dass die Konzentration der Teilnehmer*innen kaum oder nicht davon betroffen ist, wenn der Unterricht im live gestreamt wird. Im Gegenteil – sie scheinen für diesen Moment, in ihrem ausgewählten Raum, voll verfügbar und aufmerksam für Körper, Tanz und Anweisungen zu sein. Klar liegt es auf der Hand, dass das Format “Face-to-Face” im Tanzstudio den direkten Kontakt mit den Teilnehmern*innen, die Vermittlung und Praxis des Tanzes selbst ermöglicht. Im gleichen Rhythmus zu atmen, den Puls des Herzens zu spüren, sich synchron zu bewegen, den Groove der Bewegung zu finden, sind wesentliche Momente im Tanz. Dazu sind es auch wichtige Aspekte, die den zwischenmenschlichen Kontakt und das gemeinsame Tanzen bereichern. Die Kombination von Live-Streaming und Face-to-Face-Treffen schafft jedoch eine Dimension zwischen Realität und Fiktion, die durch die Interaktion den Tanz ermöglicht und die Gruppenzugehörigkeit verstärkt. Allmählich, gewinnt der Prozess des Tanzes eine Kontinuität und eine positive Entwicklung. Die wesentliche Aspekte, wie Freude an der Bewegung oder körperliches Training, sind offensichtlich in beiden Formaten vorhanden.


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