Geschichte, Erfahrung, Zukunft. Eine Studie zu Lebensrealitäten von Choreographinnen von Johanna Kasperowitsch

Viele freischaffende Choreographinnen sind nicht nur Künstlerinnen, sondern auch Mütter. Weitgehend wird dieser wichtige Teilbereich ihres Lebens im professionellen Umfeld des künstlerischen Schaffens ausgeklammert. Die Recherche befasste sich mit persönlichen Geschichten und Erfahrungen unterschiedlicher Choreographinnen in Bezug auf die Vereinbarkeit von Kunst und Familie. Fragen nach struktureller Benachteiligung, Vorurteilen und Arbeitsbedingungen standen dabei im Mittelpunkt.

Neben Hannah Ma, Johanna Roggan, Helena M. Fernandino und Mey Seifan wurde die Leipziger Choreographin Irina Pauls zu ihren Erfahrungen als alleinerziehende Mutter und künstlerische Leiterin im Kontext der ehemaligen DDR und kurz nach der Wende interviewt. Irina Pauls‘ (Lebens-) Geschichte birgt zentrale und zeitgeschichtlich wertvolle Erfahrungen zum Thema. Ziel war es, vor dem Hintergrund der persönlichen Erzählungen der fünf Frauen ein realistisches Bild ihrer Lebensrealitäten zu zeichnen. Ich ging während des Rechercheprozesses davon aus, dass Lösungsansätze für strukturelle Schwierigkeiten, wie z. B. die Vereinbarkeit von künstlerischer Leitungsposition und Familie oder dem künstlerischen Arbeiten als Alleinerziehende, in persönlichen Geschichten liegen und deshalb ausgesprochen, geteilt und verstärkt werden müssen. Erfahrungen von Eltern gilt es als Potenzial zur Aushandlung eines neuen Professionalitätsbegriffes in den darstellenden Künsten zu nutzen, der den verinnerlichten Werten der ständigen Verfügbarkeit und Leistung andere und flexiblere Ansätze entgegensetzt.

Entstanden ist zum einen der Forschungsfilm Tanz & Mutterschaft, der die genannten freischaffenden Choreographinnen in Interviews zu Wort kommen lässt. Zudem ist die analoge und digitale Veröffentlichung einer Publikation vorgesehen, die das Thema durch fiktive Kurzgeschichten sinnlich zugänglich macht, Essays beinhaltet, sowie Teile der Interviews detailliert aufarbeitet. Die Publikation wird demnächst ebenfalls über diesen Blog verlinkt sein.


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