Bestäubung als Methode zur (Wieder-)Entdeckung des sanften Berührungssinns und die Wichtigkeit des Kollektivs. Elke Mark

Die Fokussierung auf unser Tastsinnvermögen und hierbei insbesondere auf die bislang wenig bekannten c-taktilen Fasern, die uns ein Gespür für sanfte Berührung vermitteln, habe ich als zentrale Bezugsgröße für die Erarbeitung meiner Performance „R E G E N T I N“ gewählt. Entsprechend meines „Bestäubungserlasses“ war das Publikum zur partizipativen Interaktion eingeladen. Darüber hinaus stand das Leben der Bienen im Zentrum. Neben Bezügen zu hierarchischen Strukturen und dem Zusammenspiel von Einzelnen und Vielen in Bienenvölkern wird ein Bogen zum notwendigen Erhalt unserer Lebens(mittel-)grundlagen geschlagen.

Die Performance „R E G E N T I N“ war Teil einer Veranstaltung von 18 Künstler*innen in einem verlassenen Supermarkt in Flensburg, Deutschland, der als Zwischenraum für fünf Tage künstlerischer Präsentationen diente (“Wo wir Lebensmittel liebten” – Theaterwerkstatt Pilkentafel).

Auf einer fast fünf Meter hohen Leiter sitzend, lud die Künstlerin die Besucher*innen unter anhaltenden pandemischen Einschränkungen zu einer besonderen Art der Kontaktaufnahme und Berührung ein.

“Bei mir kannst du dich bestäuben lassen oder mir eine Nachricht schicken – oder beides”, war hin und wieder durch die Stimme der Regentin von oben zu hören. Interessierte Gäste bat die Künstlerin, ihr vier Stufen entgegenzusteigen und die Ärmel ihrer Kleidung für den Akt der Bestäubung bis zu den Ellenbogen hochzuschieben, um anschließend mit einem Pampasgraswedel langsam und sanft über die Unterarme der Person zu streichen.

Nach dem verbalen Kontakt mussten sich die beiden Teilnehmer aufeinander zubewegen, um sich gegenseitig berühren zu können. Während andere Besucher*innen zunächst die bereitgestellten Informationen lasen oder die Gelegenheit nutzten, eine Notiz aufzuschreiben und der Regentin zu senden, nahmen sich viele Besucher*innen – trotz der öffentlichen Situation – Zeit, sich auf den sinnlichen Akt der Berührung durch den weichen, pinselartigen Graswedel als Verlängerung der Hand einzulassen. Auf Wunsch konnte die “Bestäubung” wiederholt oder die Berührung auf den Kopf- oder Halsbereich ausgedehnt werden. Die Regentin hat insgesamt 60 Nachrichten entgegengenommen.

Zudem war jede*r eingeladen, sich aus einer Schale mit Sonnenblumenkernen zu bedienen, diese selbst zu essen, weiter zu verteilen, auszusäen oder als Vogelfutter zu verwenden.


Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht.

Post comment