Ein Minuten Zwitter Clips. Maren Strack

Post-Lockdown-kompatibles künstlerisches Denken und Arbeiten

Digital Natives werden meinen Bericht vermutlich langweilig finden. Aber ich, als digitale Immigrantin, die zu Beginn des Projekts nicht einmal ein Fortbewegungsmittel (Smartphone) besessen hat, finde sehr vieles von meinem langen Weg – zu dessen Beginn ich fast bewegungsunfähig war und dessen Verlauf mir viele neue Impulse und Ideen gegeben hat – berichtenswert.  

Nach der Nachricht über die Förderung möchte ich gerne direkt loslegen mit dem Vorhaben, mir eine Instagram-Seite zu bauen, auf der meine Performance- und Installationsvideos in Kurzform zu sehen sein sollten. Um mich im Lockdown digital vernetzen und kommunizieren zu können, hatte ich kurz zuvor mein 12 Jahre altes Macbook gegen ein neueres Modell eingetauscht. Jetzt war meine erste Erkenntnis, dass das für mein Projekt noch nicht reicht, da Instagram in dem Umfang, in dem ich es vorhabe, nur mit einem Smartphone funktioniert – das ich nicht besitze. 

D.h. der Weg ist für mich tatsächlich weit und ich verbringe die ersten sechs Wochen mit dem Lesen von Testberichten, Preisvergleichen und Tutorials, dem Kauf und Einrichten eines Smartphones mit allen nötigen Vertragsänderungen und dem Einarbeiten in die Logik dieses Smartphones. Außerdem mit dem Einholen von Informationen zum Einrichten und Führen eines Instagram Accounts, zum Auffrischen der Webseite, zum Bedienen des notwendig gewordenen neuen Final Cut X (Videoschnitt-) Programms.
Die tatsächliche Anmeldung bei Instagram mache ich daher erst Mitte November.

Die ersten Einträge poste ich mühsam – und lösche sie bald wieder. Den „Feed“ so aussehen zu lassen, dass er nicht wie ein Gemischtwarenladen daherkommt, ist die nächste große Herausforderung. Ich merke mehr und mehr, dass Instagram einfach aussieht, aber tatsächlich komplex ist. Ich finde nicht wirklich die richtigen Tutorials für meine Fragen und nähere mich dennoch über angrenzende Informationen den bestmöglichen Lösungen an. Es gilt ständig, Instagram zu überlisten. Vor allem, weil ich teilweise ungewöhnliche Video- und Fotoformate verwende, die nur schwer auf ansehnliche Weise in das Instagram Format zu pressen sind. Natürlich frage ich oft Kolleginnen und Kollegen nach Lösungen. Aber die ultimativen Lösungen und Informationen scheint keiner zu haben. Im Verlauf meiner Arbeit merke ich, dass nicht alle meiner Videos für Instagram geeignet sind, dennoch gelingt es mir, 18 gute Posts und viele Stories zu machen. Ich habe mich „durchgebissen“ und Stunde um Stunde in der digitalen Welt verbracht, dabei auch meine Webseite, die nun wieder mehr Klicks bekam, aufgefrischt. Ich habe neue Ordnungssysteme angelegt und mich – immer wieder maulend – an schnelle und kurze Formate gewöhnt. Und ich habe in den vorgesehenen sieben Monaten mein Ziel erreicht, einen soliden Instagram-Feed zu bauen, reichlich Follower, Likes, Kommentare zu bekommen und mich zu vernetzen. Sogar einen Anfragensturm von Amerikanischen Musiklabels, der mich zunächst in meinem Unwissen überrollt hat, habe ich überstanden. Das Beste an dem Projekt ist, dass es – obwohl mein Vorhaben abgeschlossen ist – noch lange nicht Schluss ist! Im Gegenteil: denn auf den Anfang meiner Instaland-Immigration darf nun ein sesshaft werden folgen! Ich danke für diesen Anschub, ohne den ich diesen Weg bestimmt nicht gegangen wäre! Und ich danke für das großzügige Stipendium!


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