Die Ambiguität des Schweigens. Judith Nagel

Die unterschiedlichen Dimensionen und Wirkungen von Schweigen in Mutterschaft und Tanz“. Eine Recherche von Judith Nagel in Kollaboration mit re_dance

Als Tänzerin, Choreographin und Mutter in der freien Tanzszene widme ich mich derzeit mit Unterstützung von DIS-TANZEN und dem Residenzprogramm von ID_Tanzhaus in Frankfurt im Rahmen einer Recherche den verschiedenen Aspekten des Schweigens in Mutterschaft und Tanz.

Schweigen als ein Raum, des Hinhörens, als ein Raum der Entfaltung der Wirklichkeit. Schweigen als Verschweigen, als Verdrängung der Wirklichkeit. Seit geraumer Zeit befasse ich mich mit dem Thema der unterschiedlichen Dimensionen und der Ambiguität des Schweigens. Während meines letzten Projektes mit re-dance, einer Plattform, die Tanzkünstler:innen mit Kindern kollektive Lösungsansätze bietet, habe ich mit anderen Tänzerinnen und Müttern untersucht, wie sich Mutterschaft und Tanz durch Bewegungspraxis und -kreation gegenseitig ergänzen können. Es stellte sich heraus, dass Schweigen und Verschweigen auch für Tänzer:innen mit Kindern ein sehr relevantes und vielschichtiges Thema ist.

Die mütterlichen Perspektiven wurden und werden sehr oft aus wesentlichen gesellschaftlichen Debatten ausgeklammert oder verschwiegen. Auch Tänzerinnen, die Mütter sind, verschweigen. Sie verschweigen ihr Muttersein, um bessere Chancen auf einen Job zu haben; Verschweigen Überforderung, Unzufriedenheit oder traumatische Geburtserlebnisse. Neben den innerlichen Auswirkungen des Verschweigens führt diese aktive Zurückhaltung zu einer Verzerrung der Wirklichkeit und gibt dem Gegenüber, der Öffentlichkeit, nicht die Möglichkeit, die Situation richtig einzuschätzen, zu verstehen und dadurch Veränderungen herbeizuführen.

Schweigen als ein Raum des Hinhörens.
Als Eltern werden die schon wenigen Momente der Ruhe noch weniger, da ein neuer Mensch auf Erden den Alltag bestimmt. Vor allem für Mütter ist diese Form der Stille, des Hinhörens aber wichtig, um nachzuspüren, was eigentlich gerade passiert mit dem eigenen Leben. Wo stehe ich? Wer bin ich? Was brauche ich?

Durch das Residenzprogramm ID_Tanzhaus in Frankfurt am Main habe ich die Möglichkeit bekommen, mit anderen Müttern und Tänzer:innen diese Thematik innerhalb der letzten zwei Wochen noch einmal zu vertiefen und gemeinsam zu recherchieren. Den Prozess habe ich aktiv auf Instagram über die re_dance_platform via Posts, Stories und IGTV-Live-Events geteilt, um dem Thema eine größere Sichtbarkeit zu verschaffen und auch um verschiedene Perspektiven und Feedbacks zu erhalten und in den Austausch zu gehen. Am Ende meiner Residenz bin ich nun dabei, Informationen, Ergebnisse und Inspirationen aus dieser Recherche und Erfahrung zu sammeln, um diese dann in ein Konzept eines zukünftigen performativen Projekts fließen zu lassen.

Ich danke DIS-TANZEN für die Förderung dieser Recherche und die damit verbundene Ermöglichung der Sichtbarkeit dieses so relevanten Themas. Des Weiteren auch einen großen Dank an die Unterstützung von ID_Tanzhaus, die mir durch die Residenz einen intensiven Austausch mit anderen Müttern und Tänzer:innen ermöglicht hat.

Folgt @re_dance_platform auf Instagram und werdet Teil des Prozesses. 


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